Aktuelles Fest verwurzelt im Ort
Großes Interesse besteht an der Arbeit der KJE, über die Vorsitzender Stephan Heinle (h.l.) bei der Mitgliederversammlung berichtet. © KJE
Garmisch-Partenkirchen – Die Kinder-, Jugend- und Erwachsenenhilfe (KJE) ist seit über 50 Jahren fest in Garmisch-Partenkirchen und der Region verwurzelt – und genau darin liegt eine ihrer größten Stärken. Was den Verein prägt, ist nicht nur sein fachliches Angebot, sondern seine Haltung: Menschen mit besonderen Bedarfen gehören selbstverständlich in die Mitte der Gesellschaft. Dieser Anspruch zieht sich bis heute durch die Arbeit – und wurde auch bei der diesjährigen Mitgliederversammlung deutlich. Die KJE entwickelt ihre Angebote konsequent weiter und gestaltet den Wandel in der Behindertenhilfe aktiv mit. Im Mittelpunkt stehen dabei Selbstbestimmung, Teilhabe und individuelle Entwicklungsmöglichkeiten – immer mit einem klaren Bezug zur Lebensrealität vor Ort.
Vorständin Dr. Kathrin Klaffl machte deutlich, dass sich die Anforderungen in den vergangenen Jahren spürbar verändert haben. Der Verein reagiert darauf mit einer kontinuierlichen Weiterentwicklung seiner Angebote. Der neu gestaltete Geschäftsbericht in leichter Sprache sei dabei mehr als ein formaler Schritt: „Er steht für den Anspruch, Informationen für alle Menschen verständlich und zugänglich zu machen“, betont Klaffl.
Besonders sichtbar wird der Wandel im Bereich Wohnen. Die Bedarfe der Bewohner werden vielfältiger – etwa durch Alterungsprozesse oder komplexere gesundheitliche Anforderungen. Gleichzeitig entstehen weitere Angebote, unter anderem in Burgrain sowie im Haus an der Kanker. „Ziel ist es, Wohnen nicht nur als Versorgung zu verstehen, sondern als individuellen Lebensraum mitten in der Gesellschaft.“
Auch die Werkstätten entwickeln sich weiter. „Neue Technologien wie ein Service- und ein Reinigungsroboter schaffen zusätzliche, angepasste Arbeitsplätze für Menschen mit höherem Unterstützungsbedarf und erleichtern Arbeitsabläufe“, erklärt die Vorständin. Durch Praktika und Außenarbeitsplätze gelingt es zudem immer wieder, Beschäftigte auf den ersten Arbeitsmarkt zu vermitteln – ein wichtiger Schritt hin zu echter Inklusion.
Im Kinder- und Jugendbereich zeigt sich die Innovationskraft des Trägers ebenfalls. Im Integrationskindergarten wird unter anderem eine tiergestützte Therapie mit Hunden eingesetzt, während in der Heilpädagogischen Tagesstätte die therapeutische Pflegerobbe „Isa“ in Form eines interaktiven Roboters neue Zugänge eröffnet. Diese Angebote machen deutlich, wie individuell und kreativ Förderung gestaltet werden kann.
Wie sehr der Verein Teil des gesellschaftlichen Lebens in der Region ist, zeigt sich auch in kleinen, berührenden Momenten. Zwei Wohngruppen waren in den Pfingstferien in einem Restaurant in Garmisch-Partenkirchen zum Mittagessen. Beim Bezahlen erfuhren sie, dass eine unbekannte Person bereits die Rechnung übernommen und die Bewohner eingeladen hatte. „Solche Gesten stehen sinnbildlich für die gelebte Solidarität vor Ort“, unterstreicht Vereinsvorsitzender Stephan Heinle. Zudem zeigen sie eine Gemeinschaft, „in der Inklusion nicht nur ein Konzept ist, sondern im Alltag stattfindet“.
Gerade diese enge Verbindung zur Region macht die Arbeit der KJE so besonders. Die Nähe zu den Menschen, zu Familien, Unterstützern sowie zu lokalen Partnern ermöglicht passgenaue Hilfen und schafft Vertrauen. Inklusion wird hier nicht abstrakt gedacht, sondern konkret gelebt – mitten in Garmisch-Partenkirchen.
Heinle nutzte die Versammlung zudem, um für die anstehenden Wahlen des Vereinsrates im Jahr 2027 zu werben und zur Mitwirkung aufzurufen. Denn eines wurde Klaffl zufolge an diesem Tag ebenfalls deutlich: Die Arbeit des Vereins lebt nicht nur von Strukturen und Konzepten, sondern vor allem vom Engagement vieler Menschen in der Region.
EB